+++ LFV-Blog +++

Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz e.V. | Koblenz

feuerwehr erlebnis museum in Hermeskeil besucht

| Keine Kommentare

feuerwehr erlebnis museum Hermeskeil

feuerwehr erlebnis museum Hermeskeil

Samstag, 12. April, kurz nach 10 Uhr: Ich stehe vor dem neuen rheinland-pfälzischen Feuerwehrmuseum in Hermeskeil. Gerade zwei Tage zuvor wurde das „feuerwehr erlebnis museum“ feierlich eröffnet.

Obwohl der Weg zur Ausstellung meiner Meinung nach schlecht ausgeschildert ist habe ich es glücklicherweise sofort gefunden. Direkt vor dem Museum ist ein kostenloser Parkplatz für PKW und Busse. In der Nachbarschaft befindet sich die Jugendherberge der Stadt und die Tourist-Information. Laut Beschilderung sind es wenige hundert Meter zur Innenstadt. Einen besseren Platz in Hermeskeil hätte das Feuerwehrmuseum anscheinend nicht bekommen können, so mein Eindruck.

Passend zum Thema „Feuerwehr“ ist das Hauptgebäude mit backsteinroten Platten verkleidet. Direkt daneben befindet sich ein weißer Altbau, in dem der Hermeskeiler Hof, eine Gaststätte, untergebracht ist.

Die Ausstellungsstücke sind auf zwei Etagen untergebracht, die man über Treppen oder barrierefrei mit einem Fahrstuhl erreichen kann. Bereits im Treppenraum findet man zahlreiche Informationen rund um das Thema Feuer. Die Brandmelderzentrale dürfte zwar kein Ausstellungsstück sein, aber fällt dem Kenner direkt auf. Die Temperatur steigt mit jeder Stufe an bis man – glücklicherweise nur informativ – die Oberfläche der Sonne erreicht hat. An den Wänden, direkt neben der Treppe, sind zwei Auszüge von einerseits Friedrich Schillers „Das Lied von der Glocke“ und andererseits Johann Wolfgang von Goethes Gedicht „Gott, Gemut und Welt“ abgebildet.

Feuerspritze

Feuerspritze

Im ersten Obergeschoss befinden sich über dem Hermeskeiler Hof die Besuchertoiletten und ein Raum, der für Wechselausstellungen und Seminare vorgesehen ist. Im eigentlichen Museumstrakt beginnt der Rundgang mit Ereignissen. Feuer, Freund und Feind des Menschen, ist das erste Thema. Sowohl akustisch als auch optisch wird man auf das Thema eingestellt. Zwar kein echtes Feuer, aber die Flammendarstellung via Beamer auf ein Schilfdach sieht gut aus. Gleich daran schließen sich Informationen über die ersten Feuerwehren im alten Rom an. Weiter geht es zu den anfänglichen Löschgeräten, wie Eimer und Spritze. Carl Metz und Conrad Dietrich Magirus, die Urväter des deutschen Löschwesens, hat man hier ein „Denkmal“ gesetzt. Neben textlichen Informationen gibt es hier, wie im ganzen Museum, audio- und video-unterstützte Informationen.

Warum sind Schlauchkupplungen genormt? Diese Frage und die erste Besucheraktion, einen Feuerwehrschlauch auszurollen, sind weitere Themen im Abschnitt Ereignisse. Die Entwicklung der Feuerwehren, von der reinen Brandbekämpfung zum Allround-Helfer in jeglicher Notlage, schließen diesen Einführungsbereich ab. Das Thema Rauchmelder entdeckt der Besucher gegen Ende in einer Ecke. Ein teilweise verkohlte Wohnzimmer-Ausstattung zeigt den Unterschied.

Notrufnummer 112

Notrufnummer 112

Im zweiten Abschnitt Protagonisten steht der Mensch im Mittelpunkt. Durch den Einsatz von Videos erklären beispielsweise Feuerwehrangehörige ihre Gründe, weshalb sie bei ihrer Wehr aktiv sind. Aber auch die Notrufnummer, von der man in einer übermenschengroßen Darstellung empfangen wird, informieren praktisch eigenständig mittels Videos. Ebenso kommen die Opfer zu Wort. Darunter auch ein Hinweis zu der Explosionskatastrophe von Harthausen, die gerade ein halbes Jahr her ist. Aber auch eigene Geschichten können Besucher in einem bereitliegenden Buch hinterlassen. Volle Bücher werden aufgehängt.

Videoprojektion

Videoprojektion

Die Feuerwehrkarriere wird mittels Treppenstufen dargestellt. Informationen, beispielsweise zur Ausbildung, findet man auf den einzelnen Podesten. In Bodenfächern liegen die Rangabzeichen und die Ehrenabzeichen, die man als rheinland-pfälzischer Feuerwehrangehöriger erhalten kann. Die Ärmelabzeichen der eigenen Wehr kann man auf einer Rheinland-Pfalz-Karte anschlagen. Direkt daneben findet man Erklärung zu den Feuerwehr-Tätigkeiten: Retten, Löschen, Bergen und Schützen – besser bekannt als das Feuerwehr-Signet. Es ist zugleich ein dezenter Aufruf, sich bei der Feuerwehr zu engagieren. Ein Einsatzfahrtvideo aus Koblenz verabschiedet die Besucher aus dem zweiten Themenbereich.

Darstellung Verkehrsunfall Traktor / PKW

Darstellung Verkehrsunfall Traktor / PKW

Ein Verkehrsunfall zwischen einem alten Traktor und einem alten VW Golf ist das erste Exponat, das der Besucher im Themenbereich Tätigkeiten entdeckt. Ein alter Spreizer liegt bereit, den man hochheben kann. Dass ein Feuerwehreinsatz auch körperliche Schwerstarbeit sein kann soll dem Besucher hier vermittelt werden. An der Wand gibt es noch Informationen zu den „Spezialteams in schwierigen Fällen“, also die Taucher, die Rettungshunde/Ortungstechnik (RHOT) und die Rettung aus Höhen und Tiefen (SRHT).

Löschangriff - Wasser marsch!

Löschangriff – Wasser marsch!

Einen eigenen Löschangriff kann man direkt im Anschluss aufbauen. Ein Oberflurhydrant und eine Tragkraftspritze stehen bereit. In einem alten Tragkraftspritzenanhänger (TSA) befinden sich die restlichen Utensilien. Die einzelnen Funktionen, wie Maschinist oder Angriffstrupp, werden mit großen Wandtafeln erklärt. Nicht nur heute, sondern bereits vor rund 150 Jahren war Feuerwehrdienst körperliche Schwerstarbeit. Eine alte Feuerspritze steht bereit und in einer Glassäule wird die Fördermenge als Wasserfontäne dargestellt. Das handwerkliche Geschick kann man auch testen: Die Feuerwehrknoten Ankerstich, Mastwurf und Zimmermannstich kann man an alten A-Schläuchen stechen.

Inforaum

Inforaum

Die Mannschaftskabine eines alten Citröen-Löschfahrzeuges wurde zu einem Inforaum umfunktioniert. Anstatt eines Fensters befindet sich in einer Tür ein Fernseher, mit dem man sich mittels Touchscreen alte Nachrichtenbeiträge des SWR anschauen kann. Aktuell sind beispielsweise Berichte zur Explosionskatastrophe von Harthausen, ein Großbrand in einem Freilichtmuseum und die Folgen des Orkans Kyrill zu sehen. Die Nachrichten können aktualisiert werden und dadurch bleibt der Inforaum auf einem aktuellen Stand.

Am Ende des Themenbereichs Tätigkeiten stehen eine Spielecke (für Kinder), die sich noch im Aufbau befindet und ein Rauchhaus. Hier werden die Funktionsweise und Notwendigkeit von Rauchmeldern demonstriert.

Bereich Schutzkleidung

Bereich Schutzkleidung

Der vierte und letzte Themenbereich Werkzeuge belegt das komplette Erdgeschoss. Zu Beginn des Rundgangs steht das wohl wichtigste Werkzeug jedes Feuerwehrangehörigen: Die Schutzkleidung. Zudem wird auch die Frage beantwortet, weshalb eine Einsatzkraft diese benötigt. Passend zum Themenabschnitt stehen zwischen den Vitrinen mit historischer Feuerwehr-Schutzkleidung rote Feuerwehrspinde. Darüber sind Feuerwehrhelme aus den vergangenen Jahrzehnten angebracht.

Schulungstafeln

Schulungstafeln

Weiter geht’s zu einem Schwerlastregal. In einem davor stehenden Werkzeugwagen ist ein Touchscreen eingebaut. Tippt man ein Feld an, dann wird der entsprechende Bereich des Schwerlastregals beleuchtet. Die übrigen Bereiche werden dunkler. Über die Werkzeuge im Wandel kann sich der Besucher mit Texten, Bildern und Videos informieren. So werden beispielsweise die Bereiche Schläuche, Gefahrgut und Atemschutz im wahrsten Sinne beleuchtet. Mir persönlich haben in diesem Bereich die aufklappbaren Kisten gefallen, in denen sich die unterschiedlichen Atemschutzgerätetypen befinden. Auf den Deckeln stehen die dazugehörigen Informationen. Ebenfalls in dem Schwerlastregal befinden sich ausziehbare Wände, auf denen verschiedene Schulungstafeln angebracht sind. Sei es der Aufbau der Lenz-Turbopumpe, der Pressluftatmer DA 58/1600 oder Strahlrohre und Düsen – früher wurden mit diesen Tafeln Feuerwehrangehörige ausgebildet und heute können sich damit Besucher informieren.

Bereich Atemschutzgeräte

Bereich Atemschutzgeräte

Der restliche Raum des Themenbereichs ist mit historischen Feuerwehrfahrzeugen belegt, wobei während meines Besuchs noch nicht alle Exponate aufgestellt waren. So steht direkt neben dem Schwerlastregal ein Löschfahrzeug aus der Zeit der „Feuerlöschpolizei“. Eine Wandtafel informiert ergänzend dazu über die Feuerwehren im dritten Reich. Daran schließt sich eine historische Drehleiter an, die im wahrsten Sinne „durch die Decke geht“.

Restaurierungsarbeiten als Video-Zeitraffer

Restaurierungsarbeiten als Video-Zeitraffer

Die restaurierten Magirus-Feuerwehrfahrzeuge aus den 1940ger und 1950ger Jahren sind für mich ein weiterer Höhepunkt in diesem Ausstellungsbereich, weil ich mich für alte Feuerwehrfahrzeuge interessiere und ein Fan davon bin. Eins der letzten Exponate auf dem Museumsrundgang ist ein alter Rüstwagen. Auf der einen Seite sieht man den Zustand vor den Restaurierungsarbeiten. Die andere Fahrzeugseite wurde in den Urzustand zurückversetzt. Per Knopfdruck öffnet sich auf einmal die Haube des luftgekühlten Rundhauber-Motors und ein Monitor erscheint. Darauf sieht man die Restaurierungsarbeiten als Video-Zeitraffer. Eine tolle Idee, um den Besuchern diese aufwendigen Arbeiten zu demonstrieren.

Die Fahrzeuge und Geräteräume sind offen. So kann beispielsweise jeder Besucher einmal selbst hinter dem Steuer eines alten Magirus-Löschfahrzeugs Platz nehmen.

Tagesausflug und längerer Aufenthalt möglich

Während meines Besuchs waren viele Familien mit kleinen Kindern im Museum unterwegs. Das Feuerwehrmuseum ist für Familien und für Gruppen, wie Schulklassen, ausgelegt. In zwei Stunden hat man das Museum bequem besichtigt. Die Zeit verlängert sich, sobald man sich mit dem ein oder anderen Thema/Ausstellungsstück näher auseinandersetzt.

Historische Magirus-Feuerwehrfahrzeuge

Historische Magirus-Feuerwehrfahrzeuge

Ich empfehle den Besuch des Feuerwehrmuseums mit mindestens einem weiteren Punkt in der Region zu verbinden. In Hermeskeil gibt es weitere Museen. Die Flugausstellung dürfte wohl das derzeit bekannteste Museum der Hunsrückstadt sein. Trier und Saarburg liegen in der Nähe und bieten sich ebenfalls für einen Sonntagsausflug an. Nicht zu vergessen die schöne Landschaft, die zum Wandern und Rad fahren einlädt.

Für längere Aufenthalte gibt es in Hermeskeil eine Jugendherberge, die in direkter Nachbarschaft zum Feuerwehrmuseum liegt. Weitere Unterkünfte findet man auf der Website der Verbandsgemeinde Hermeskeil.

Fazit

Das „feuerwehr erlebnis museum“ vermittelt nicht nur Geschichte, sondern ist auch eine tolle (Nachwuchs-)Werbung für die Feuerwehr. Es werden nicht nur alte Geräte gezeigt und kurz erklärt. Es ist ein Museum zum Anfassen und Mitmachen für alle Altersgruppen. Durch den Einsatz von modernen Medien vermitteln Zeitzeugen und -dokumente den Besuchern ein authentisches Bild von der Feuerwehr. Nicht nur von früher und gestern, sondern auch von heute.

Weitere Informationen und Danksagung

Weitere Informationen im Internet:

Zum Schluss bedanke ich mich bei den Kameraden des Feuerwehrmuseums für den freundlichen Empfang und die nette Unterstützung während meines Besuchs.

Mit Facebook kommentieren


Diesen Artikel weiterempfehlen oder später lesen:



Landesweite Kampagne zur
Nachwuchs- und Mitgliedergewinnung für die Feuerwehren

Zur Kampagnen-Website

Harald Laier

Autor: Harald Laier

Harald Laier, Jahrgang 1979, trat 1990 in die damals neu gegründete JF Otterberg ein. 1995 kam im Alter von 16 Jahren der Übertritt in die aktive Wehr. Der Gruppenführer kümmert sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Blogger schrieb bereits Beiträge für das FWNetz und Feuerwehr-Weblog.org. Harald bei Twitter und Facebook.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.