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Landesfeuerwehrverband Rheinland-Pfalz e.V. | Koblenz

Exitus – meine erste Reanimation

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Ein Sonntagvormittag. Ich bin mit meiner Frau unterwegs auf einer Schlemmerwanderung. Wir laufen gerade zur ersten Station. Dort werden wir die Familie meiner Frau treffen.

Kurz vor der Station fährt ein RTW mit Sonderrechten an uns vorbei, besetzt mit der Sanitätswache. Fahrer und Beifahrer kenne ich. In der nächsten Kurve, vielleicht 20 Meter von mir entfernt, steht eine Frau. Sie hält die Hände vor ihren Mund. „Hier ist etwas passiert,“ sage ich zu meiner Ehefrau.

Ich biege um die Ecke und sehe, dass ein Mann eine auf dem Boden liegende Person reanimieren. Die RTW-Besatzung ist gerade ausgestiegen und erkundet. „Hier muss ich helfen“, sage ich zu meiner Frau. Ich laufe hin. Der Ersthelfer ist noch eifrig am Reanimieren. Auch die RTW-Besatzung ist eifrig bei der Sache: Notarzt und ein weiterer RTW werden nachgefordert. Alle notwendigen Geräte werden aus dem Fahrzeug geholt, aufgebaut und in Betrieb genommen.

Irgendwann sind der Notarzt und der zweite RTW vor Ort. Weitere Geräte werden aufgebaut und in Betrieb genommen. Dann bin ich an der Reihe. Meine erste Reanimation. 20 Jahre geübt und nun der Ernstfall. Es ist anders als mit den Übungspuppen. Mehr Widerstand. Mehr Schweiß. Ich muss irgendwann die Lage meiner Hände korrigieren, weil ich wegen der Schweißnässe langsam abgerutscht bin. Warum habe ich keine Handschuhe an?

Helferwechsel. Ich nutze die Zeit, um mir im RTW der Sanitätswache die Hände ordentlich zu desinfizieren und ziehe danach Einweghandschuhe an. Nacheinander wechseln sich die Helfer bei der Reanimation ab. Mittlerweile der sechste Versuch mit einem Schock den Patienten bis Leben zurückzuholen. Als Ersthelfer kommen mir Zweifel …

Meine Zweifel bestätigen sich ein wenig später. Der Notarzt stellt die Rettungsmaßnahmen ein. Alle Bemühungen waren umsonst. Exitus.

Rückblick

Mittlerweile sind ein paar Wochen ins Land gegangen. Die ersten Tage nach diesem Sonntag musste ich öfters an die Geschehnisse denken. Einerseits traurig, dass der Mann seinen Herzinfarkt nicht überlebte. Andererseits hatte er bereits zuvor Herzprobleme. Er hätte ohne seine Vorerkrankungen vielleicht überlebt, weil sofort die Ersthelfer mit der Reanimation begonnen und einen Notruf abgesetzt hatten.

Meine erste Reanimation hatte ich mir ursprünglich anders vorgestellt. Mit einem erfreulichen Ende …

Der Todesfall war DAS Gesprächsthema während der (restlichen) Schlemmerwanderung. Auch in der örtlichen Tageszeitung wurde erwähnt, dass für einen Besucher die Schlemmerwanderung leider tödlich endete.

Meine Kolleginnen und Kollegen sprachen in der neuen Arbeitswoche während den Mittagspausen über den Todesfall. Ich gab mich stets als Ersthelfer zu erkennen und betonte während den Gesprächen immer, dass eine sofortige Reanimation in solchen Fällen wichtig ist.

„Nicht nur einen Notruf absetzen, sondern auch reanimieren“, war meine Botschaft.

Hoffentlich erinnern sich meine Kolleginnen und Kollegen daran, falls sie in eine ähnliche Situation geraten sollten.

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Harald Laier

Autor: Harald Laier

Harald Laier, Jahrgang 1979, trat 1990 in die damals neu gegründete JF Otterberg ein. 1995 kam im Alter von 16 Jahren der Übertritt in die aktive Wehr. Der Gruppenführer kümmert sich um die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. Der Blogger schrieb bereits Beiträge für das FWNetz und Feuerwehr-Weblog.org. Harald bei Twitter und Facebook.

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